Branche · Handwerk und Bau

Die teuerste Stunde im Handwerk ist die, in der noch niemand baut.

Ausschreibung lesen, Positionen aufnehmen, Preise zusammensuchen, Offerte schreiben, nachfassen. Diese Arbeit wird nicht bezahlt und entscheidet trotzdem darüber, welche Aufträge Sie bekommen.

Sie ist zugleich der Teil, bei dem heutige Werkzeuge am meisten bringen – vorausgesetzt, jemand hat vorher verstanden, wie Sie kalkulieren.

Typisch

Was ich in Handwerksbetrieben regelmässig sehe

Kalkuliert wird nach Feierabend

Tagsüber läuft der Betrieb. Die Offerten entstehen abends und am Wochenende, meist bei der Person, die auch alles andere entscheidet.

Achtzig Seiten Pflichtenheft, zwölf relevante Zeilen

Die Anforderungen, auf die es ankommt, stehen verstreut im Dokument. Sie zu finden ist stumpfe Arbeit – sie zu übersehen kostet den Auftrag oder die Marge.

Preise aus dem Gedächtnis

Die verlässlichsten Erfahrungswerte des Betriebs stehen nirgends. Sie stecken im Kopf von zwei, drei Leuten – und sind damit weder übertragbar noch überprüfbar.

Nachträge, die zu spät auffallen

Dass die Leistung vom Vertrag abweicht, merkt man auf der Baustelle. Bis das im Büro ankommt, ist der Monat vorbei und die Beweislage dünn.

Rapporte auf Papier und in fünf Apps

Stunden, Material, Regie: Jede Baustelle meldet es anders. Was im Büro ankommt, muss zuerst geglättet werden, bevor daraus eine Rechnung wird.

Ansatzpunkte

Wo sich der Aufwand meistens rechnet

Keine Aufzählung von Möglichkeiten, sondern die Stellen, an denen ich in dieser Branche zuerst nachschaue.

Anfrage bis Rohofferte

Aus Ausschreibung, Mail oder Plan die Positionen ziehen und mit den Erfahrungswerten des Betriebs vorbelegen. Geprüft und freigegeben wird weiterhin von Hand.

Pflichtenhefte auswerten

Anforderungen, Fristen und Ausschlusskriterien aus langen Dokumenten herausziehen und dem eigenen Textbestand zuordnen. Was fehlt, wird markiert statt übersehen.

Kalkulationswissen sichtbar machen

Die Erfahrungswerte aus abgerechneten Aufträgen zurückspielen, damit nicht das Gedächtnis kalkuliert, sondern die eigene Geschichte.

Rapporte einsammeln

Stunden und Material aus dem, was die Baustelle ohnehin schickt – Foto, Sprachnachricht, Zettel – in die Abrechnung überführen, mit Rückfrage statt Rätselraten.

Nachfassen ohne Erinnerung

Offene Offerten melden sich selbst, bevor sie kalt werden. Das ist unspektakulär und einer der zuverlässigsten Umsatzhebel überhaupt.

Zwischen den Programmen

Die Nahtstellen zwischen Auftragsverwaltung, Zeiterfassung und Buchhaltung schliessen, damit dieselbe Zahl nicht dreimal eingegeben wird.

Beispiel

So kann das ausgehen

Konstruierte Beispiele – ich zeige keine Kundenfälle.

Schreinerei, 18 Mitarbeitende

Beispiel

Ausgangslage

Zwei von drei Offerten gehen zu spät raus, weil nur der Inhaber die Preise sicher im Kopf hat.

Was ich mache

Zwei Tage mitgearbeitet und jede Anfrage einer Woche mitprotokolliert. Danach eine Vorstufe gebaut, die aus der Anfrage die Positionen zieht und mit den eigenen Erfahrungswerten vorkalkuliert.

Was es bringt

Die erste Fassung entsteht in Minuten. Der Inhaber prüft und gibt frei, statt bei null anzufangen.

Erfundenes Beispiel zur Veranschaulichung, kein Kundenfall. Zahlen sind Grössenordnungen, keine Zusagen.

Elektrounternehmen, 55 Mitarbeitende

Beispiel

Ausgangslage

Regiearbeiten werden auf Zetteln erfasst und im Büro abgetippt. Ein Teil geht jeden Monat verloren und wird nie verrechnet.

Was ich mache

Eine Woche im Innendienst mitgearbeitet und ausgezählt, was tatsächlich ankommt. Danach die Erfassung dorthin verlegt, wo die Arbeit passiert, mit automatischer Zuordnung zum Auftrag.

Was es bringt

Regiearbeit wird vollständig verrechnet. Der Innendienst tippt nicht mehr ab, sondern prüft nur noch Ausnahmen.

Erfundenes Beispiel zur Veranschaulichung, kein Kundenfall. Zahlen sind Grössenordnungen, keine Zusagen.

Wie sieht das bei Ihnen aus?

Dreissig Minuten am Telefon reichen, um einzuschätzen, wo bei Ihnen der grösste Hebel liegt.

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